ELTIF – der neue Name für Infrastruktur

Über European Long-Term Investment Funds (ELTIFs) sollen sich private und institutionelle Investoren an der Finanzierung großer Infrastrukturvorhaben beteiligen können

Infrastruktur-Investments passen zur Liability-Seite vieler institutioneller Investoren: Sie sind langfristiger Natur, versprechen reale Renditen und haben oft ein relativ niedriges Risiko. Aber leider sind solche Investitionen mit den üblichen Bordmitteln der Kapitalanlage-Abteilungen institutioneller 140218 BulleInvestoren kaum zu meistern, da sie erheblich von den klassischen Assetklassen abweichen.– Zusätzlich sind mitunter auch politische und technische Risiken abzuschätzen. Daher stellen Infrastruktur-Investments ein reizvolles Thema für Assetmanager dar, die in diesem Feld über spezielle Sachkenntnisse und Erfahrungen verfügen.

Politischer Rückenwind für ELTIFs

Politisch erhält die Assetklasse Rückenwind, da die öffentlichen Kassen leer sind, aber dennoch zahlreiche Infrastruktur-Maßnahmen anstehen, für die Mittel und Investoren gesucht werden. Daher möchte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier ein Fonds-Vehikel für Infrastruktur-Investments auf den Weg bringen, um die langfristige Finanzierung für die europäische Realwirtschaft zu sichern. Die Finanzierungsmittel seien knapp und wenn sie zur Verfügung stünden, dann häufig nur kurzfristig.

Die EU muss nun sehen, dass das geplante Vehikel auch für die Investoren-Seite interessant wird, denn die Investoren haben eher die Erfüllung ihrer Verpflichtungsseite vor Augen als die weniger eine gute Infrastruktur-Versorgung von Kommunen und Ländern.

Die EU-Kommission hatte im März 2013 ein spezielles Fonds-Vehikel – sogenannte European Long-Term Investment Funds (ELTIFs ) – in einem Grünbuch zur Diskussion gestellt. Bereits am 26. Juni 2013 veröffentlichte die Kommission ihren Entwurf zur Regulierung der ELTIFs. Die Abstimmung im Parlament ist für den 15. April 2014 angesetzt, und mit der Aufnahme der Verhandlungen ist eventuell schon im Herbst 2014 zu rechnen.

ELTIF-Vehikel in der Modellierungs-Phase

Dass sich für so langfristige und illiquide Assets als Vehikel kein offener Fonds, und – da es sich nicht um Wertpapiere handelt – auch kein OGAW anbietet, versteht sich von selbst. Vielmehr kommt für Infrastruktur-Investments die Rechtsform geschlossener Fonds in Frage, die eine bestimmte Mindest-Diversifikation aufweisen müssen. Wenn dann in mehrere Objekte investiert ist, ergibt sich in der Praxis das Problem, dass die Laufzeiten auf einen Auflösungszeitpunkt des Fonds hin harmonisiert werden müssten.Es wird nicht leicht sein, verschiedene Investitionsobjekte zu finden, die nahezu identische Laufzeiten haben. Da eine hohe Rechtssicherheit wünschenswert ist, sieht der Kommissions-Entwurf für ELTIFs eine separate Verwahrstelle vor. Außerdem sollen Derivate nur zur Absicherung von Währungsrisiken eingesetzt werden dürfen, und die Fremdfinanzierungsmöglichkeiten sollen limitiert werden.

Der Wirtschafts- und Währungsausschuss des EU-Parlaments (ECON) sieht in seinem Bericht zu ELTIFs vom 30. März 2014 verschiedene Erleichterungen gegenüber dem Kommissionsentwurf vor: Beispielsweise soll es nun doch keine Pflicht des Asset Managers (AIFM) zur separaten Zulassung als ELTIF-Manager geben. Außerdem gibt es Lockerungen, was die Liquidität angeht: So sollen Ausschüttungen bei Erträgen und nach Veräußerung von ELTIF-Assets zulässig sein. Zudem soll die Fondsgesellschaft für Publikums-ELTIFs Rückgaberechte vorsehen können. Anleger dürfen diese jedoch nicht vor Ablauf der Hälfte der Laufzeit des ELTIF und nicht über 20 Prozent des Fondsvermögens ausüben.

Zwar ist erkennbar, dass noch viele Detailfragen zu regeln sind. Mit dem politischen Rückenwind können wir jedoch wohl in nicht allzu weiter Zukunft mit einem gesetzlichen Rahmen für ELTIFs rechnen dürfen.