Infrastrukturkredite bieten attraktive Chancen

Anlagen in Infrastrukturkredite können attraktiv sein, sind aber komplex 

Infrastruktur-Investments werden bisher überwiegend von Private Equity-Managern getätigt. Aber angesichts der Suche nach Yield zieht es auch andere Investoren in diese Assetklasse.

Für die meisten von ihnen dürfte die Debt-Seite von Infrastruktur mehr bekannte Aspekte bereithalten als die Equity-Seite: Schließlich gibt es hier berechenbare, regelmäßige Zahlungen, und am Ende wird der Betrag zurückgezahlt. Vorteilhaft ist auch, dass durch die teilweise lange Laufzeit der Kredite das Thema Duration-Mismatch angegangen werden kann.

Komplexe Assetklasse

Auf der anderen Seite braucht es Expertise, um erfolgreich in Infrastruktur Debt zu investieren. Viele Investoren befinden sich aber im Bereich Infrastruktur-Investments noch auf der Lernkurve, denn die Assetklasse ist für sie relativ neu und es wirken hier Eigenschaften verschiedener Anlageklassen wie Bonds, Real Estate und Private Equity. Außerdem gibt es bei Infrastruktur-Projekten neben Illiquiditäts- und Gegenparteienrisiken oft auch politische und demographische Risiken, die einzuschätzen und zu bewerten sind.

Letztendlich hängen die Credit Spreads in erster Linie von drei Faktoren ab: Dem Rückzahlungs-Risiko, der Illiquidität und der Komplexität des Investments.

Dabei sind nicht nur Region und Projekt-Ausrichtung zu analysieren, sondern auch die Darlehens-Struktur. So fokussieren sich einige Manager auf die Bereitstellung von Nachrang-Darlehen, die in der Kapitalstruktur hinter den Bankverbindlichkeiten rangieren, andere auf Seniordebt-Darlehen, die entsprechend konservativere Renditen erzielen, aber weniger Risiken bergen. Einige setzen eher auf Greenfield-Projekte, die „auf der grünen Wiese“ neu begonnen werden und höhere Unsicherheiten bergen und daher mit höheren Zinssätzen ausgestattet werden als Brownfield-Projekte, die bereits existieren und laufende Ertragsströme aufweisen.

Alignment of Interests wichtig

Das Angebot an Infrastruktur-Krediten ist derzeit unter anderem deswegen breit, weil die Banken angesichts der Basel III-Regulierung ihre Projektfinanzierungen reduzieren. Sie müssen ihre Risk-Weighted Assets (RWA) abbauen.

Andererseits sind sie es, die langjährige Erfahrung in der Bewertung und Finanzierung von Infrastruktur-Projekten haben. So ist es nicht verwunderlich, dass unter den Asset Managern, die den Bereich Infrastruktur-Kredite abdecken, auffällig viele einen Banken-Hintergrund haben.

Wenn aber Banken ihre Infrastruktur-Engagements in Fonds downloaden und sie in dieser Form institutionellen Investoren anbieten, befürchten Investoren ein Selektionsproblem. Dies lässt sich nur durch ein Alignment of Interests beheben, beispielsweise indem die Bank einen gewissen Prozentsatz der Kredite selbst in den Büchern behält.

Equity oder Debt ?

wer einen guten Deal „erwischt“, ist mit Equity immer gut bedient. Im Gegensatz zu Debt, können Sie auch von der „upside“ profitieren. Vergessen Sie dabei aber nicht, daß bei „Debt“ Sie immer einen Equity Partner haben, der die ersten Verluste hinnimmt. Geht beispielsweise der Betreiber einer Mautstraße pleite, geht Ihr Equity Anteil verloren. Ihr Debt-Anteil wird i.d.R. von dem nachfolgenden Manager übernommen. Denn : die Straße wird wohl kaum statt dem Autoverkehr nur noch Maultieren geöffnet werden, so daß die ursprünglich zugrundegelegten Verkehrs-Annahmen auch für den neuen Betreiber gelten.